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EURO 2017 oder wie ein Manöver alles Schlechte vergessen lässt!

Hallo Leute,

wie versprochen kommt hier der Bericht zur EURO 2017. Als leider einzige Mannschaft aus Österreich reisten Gloria und ich bereits am Samstag an (Abfahrt 0400 in Waizenkirchen und mit einer Tankpause durch bis Röbel Ankunft 1315). Dort angekommen stellten wir fest, dass wir zu den early birds gehörten, außer ein paar Türken und sonstiger Vereinsmitglieder waren noch nicht viele Piratsegler da und auch die Vorbereitungen zum Vermessen und Registrieren schienen noch nicht wirklich weit gediehen zu sein. Somit bremsten wir unsere euphorische Planung (gleich noch aufbauen und noch am Samstag probeschlag machen) entsprechend ein und erholten uns erstmal bei Ankunftsbier und kurzem „schnacken“ mit den langsam eintrudelnden Kollegen. Immer wieder warf ich einen Blick auf den Windfinder und erklärte dann Gloria, dass das alles nicht so schlimm werden wird… Sonntag Abend und wir sind klar für das, für Montag 1400 angesetzte Practice Race. Dass auch die anderen einen gewissen Respekt vor dem Wasser/ Wind haben mussten zeigt die Tatsache, dass über 40 Boote an diesem Race teilnahmen und auch dort und da manche bereits die Wasserqualität des Müritzsees erprobten.
Wir ließen den Spi vorerst im Sack und konzentrierten uns auf Manöver und sonstige Belange.
Die Platzierung war nicht berauschend, aber wir haben gesehen, dass wir mit dem Wind nicht überfordert waren, immerhin! Dass die Distanz zum und vom Race area nicht zu unterschätzen ist rief Erinnerungen an Barth 2007 bei mir wach – mindestens 1 Std kreuzen bis man den Hafen wieder erreicht und die Kreuzerei wiederum erinnerte mich frappant an die Alte Donau – bei Wind! Also muss man auch das bei der Einteilung der Kräfte mit einkalkulieren.
Dienstag, 1100 Startversuch erste WF. Massenfrühstart, anschließend Black Flag und los ging es.
Kämpfen, hängen bis die Waden brennen und extremer Verkehr an jeder Tonne – woran es wohl liegen mag, dass ein TUR am dritten Racetag mehr Buchstaben als Zahlen auf der Liste hatte?!
Leider müssen wir erkennen, dass uns die Deutschen taktisch massiv überlegen sind und werden laufend durchgereiht, also Plan ändern und eher raushalten aus dem Getümmel und auf Geschwindigkeit fahren! Je länger der Tag wird, desto spitzer und planloser werden die Wellen und das war dann schon die nächste Challenge, aber wir konnten uns schon mal im vorderen Drittel sehen lassen, wäre da nicht der Fockschotschäkel gebrochen.. sch… Wir retten uns irgendwie ins Ziel und fahren mit weit gefierter Fock in den Hafen (gefühlte 20 Wenden mehr als die anderen und zufrieden feststellend, dass die Wettfahrtleitung so lange auf dem Wasser verharrt, bis auch der letzte den Hafen erreicht hat. Reparieren und Abendprogramm, Schlafen!
Mi, die Wettfahrtleitung teilt mit, dass infolge der Windverhältnisse jedenfalls gesegelt wird, aber eine, max. zwei Wettfahrten – echt ein feiner Zug, dass man das schon in der Früh erfährt.
Windprognose: S-SW 5-9Bft Gloria fragt wieder ob wir da den Spi auspacken, aber bereits beim rausfahren setzen wir diesen und glitschen der Startlinie entgegen – viel zu früh, wie wir später feststellen. Nach dem Bergen des Spinnakers habe ich das erste mal auf Raumschot angeluvt und musste dann erkennen, dass das ein anderes Programm war wie am Vortag, das Boot begann unverzüglich zu singen und wir sprangen förmlich von Welle zu Welle – Geil! – aber wie machen wir jetzt das mit Halse und so, ein Türke wollte das mit Raumschot unter Spi testen und wurde dann wieder in den Hafen geschleppt…, auch Tobolka CZE 568 war bereits seit Dienstag nicht mehr einsatzfähig – Bruch der Ruderaufhängung.
Gut dann wagten wir uns mal Richtung Startlinie und gingen das erstmal aus der zweiten Reihe an – gaanz falsch – erstens weil du dann die winderprobten deutschen allesamt von hinten siehst und zweitens weil es bei solchen wind und Wellen irrsinnig lang dauert, bis man in Fahrt kommt, also wieder kein gutes Ergebnis nd dann teilt uns die Jury mit, wir hätten bei einer Tonnenrundung diese berührt und sie würden uns „empfehlen“ jetzt aufzugeben – was wir (kochend) dann auch taten. Die Wettfahrtleitung ließ es bei einer Wettfahrt bewenden war und wie sie mir später erzählten heilfroh, alle Mannschaften gesund wieder in den Hafen gebracht zu haben. Nach einer leider nicht sehr erfolgreichen Protestverhandlung und dem dadurch versäumten Stegbier wurde weitere Nachmittag wurde dann in der Therme Müritz verbracht –eine Wohltat.
Am Do war die Prognose „abflauende Winde“ statt 5-7 Bft nur noch 4-6Bft und ganz ehrlich- ich konnte keinen Unterschied zum Vortag feststellen, aber man gewöhnt sich langsam an die Bedingungen. Erste Wettfahrt, wieder Gemurkse und wieder eher weiter hinten im Feld 
Zweite Wettfahrt und nach super Start ging es jetzt das erst mal so richtig mit den guten mit bis –ja bis unser Erfolgslauf von dem dänischen Boot jäh gestoppt wurde, dessen Bug sich, nachdem ihm das Boot aus dem Ruder gelaufen war ungefähr mitschiffs in unseren Rumpf bohrte – Ende der Vorstellung denk ich mir und wundere mich, dass wir nicht innerhalb von Minuten zum U- Boot wurden. Die Erklärung lieferte ein Blick auf den Rumpf bei Lage, wo jeweils am richtigen Bug das Wasser wieder aus dem Rumpf floss – er hatte uns doch tatsächlich exakt dort getroffen, wo Hein seit einiger Zeit ein Längsschott einbaut. Zurück im Hafen erstmal Schaden abgutachten und dann Protestverhandlung, diesmal Gott sei dank erfolgreich – für die Versicherung!
Nach Besprechung mit Max Billerbeck (Hein Bootsbau) ist mal klar, dass offensichtlich kein Struktureller Schaden entstanden ist und ich evtl. das Loch für die restlichen Wettfahrten zutapen könnte… derweil ich noch so sinniere kommt Anne, bedauert uns und schlägt spontan vor, mir für den letzten Regattatag ihren Goldschatz zu leihen! ! ! Nachdem trotz all der Probleme noch immer Kampfgeist in uns ist sage ich sofort zu und freue mich noch fertig segeln zu können. Plazierungsmäßig hat sich zwar nichts mehr geändert, aber für´s Gemüt war´s ungemein wichtig das sportlich abgerundet zu haben.
Ah ja, da war ja noch die Geschichte mit dem Manöver: Die Kurssetzung war (damit wir Piraten ein wenig Spaß auch haben wie der Wettfahrtleiter süffisant im Rahmen der Steuermannsbesprechung meinte) so, dass wir nach dem Start zunächst ein up and down mit Gate in Lee und dann up + Dreieck und up ins Ziel zu segeln hatten, also fast wie früher eben mit Raumschot. Und genau da hat es sich zugetragen, dass in Race 7 ( wo wir endlich gut unterwegs waren) unmittelbar vor der Dwars-Tonne eine ziemlich heftige Böe heranrauschte und wir gezwungenermaßen mitten im Getümmel und in voller Gleitfahrt zu schiften hatten und wahrscheinlich war es dem Adrenalin geschuldet, dass alles PERFEKT funktionierte und wir somit unsere erste „full gliding jibe“ vollführt hatten! Ich kann euch sagen, ein geniales Gefühl!
Allein dafür hat sich die Reise gelohnt! Wer´s noch nicht weiß, Svenja und Butze haben gewonnen und wir haben den bescheidenen 35. Platz erreicht. Es gibt noch viel zu lernen!
Wo die nächste EURO stattfindet ist derzeit noch nicht klar, klar ist, dass wir wieder dabei sind und wir würden uns freuen, wenn Österreich dann auch wieder stärker auftritt!

Alexander & Gloria
AUT 7

Kategorie: Regattaberichte
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