Lange Wettfahrt am 6. August 2016 beim UYCAs

(Bericht von Bernd Pintarich/ AUT 88)

Keine Pirat-Regatta, aber durchaus einen Bericht Wert ist unsere Teilnahme an der „Langen Wettfahrt“ beim UYCAs im Rahmen der „Austrian Classics 2016“. Die traditionelle Atterseewoche ist eigentlich eine Holzbootregatta, wo vor allem die Sonderklassen und Rennjollen (22/ 20/ 15 qm) dominieren. Mit 13 Booten waren dieses Jahr auch die O-Jollen sehr stark vertreten. Mit unserem Piraten AUT 88 „Cha Cha“ waren wir da eher das Minderheitenprogramm. Am Start waren aber auch die Piraten AUT 11 (ein frisch restaurierter Pirat von 1961 aus der Werft A&R), den unser Klassenpräsident steuerte und AUT 317 vom UYCAs. Die „Lange Wettfahrt“ ist aber für alle Boote offen, sodass auch moderne Schiffe am Start waren. Insgesamt waren es 86 Boote in unterschiedlichen Größen und mit unterschiedlichen Segel-Charakteristika.

Das Prozedere einer solchen Wettfahrt läuft natürlich anders ab als gewohnt. Um 6.20 Uhr war Steuermannsbesprechung, um 7 Uhr sollte der Start sein. Die Startlinie ist, unabhängig von der Windrichtung vordefiniert (Starthaus mit Signalampel und Peilung), gestartet wird bei jedem Wind und Wetter…, alle Boote waren mit GPS ausgestattet.

Da es am Freitag und die Nacht auf Samstag stark geregnet hatte, musste ich zunächst das Wasser aus dem Boot tunken, bevor es zum Slippen ging. Beim Hinaussegeln zum Start nahm ich ein verdächtiges Glitzern zwischen den Bodenbrettern wahr – Alarmstufe ROT! Ich hatte vergessen, die Lenzer zu schließen, und so war das Boot in kurzer Zeit bis zu den Bodenbrettern mit Wasser vollgelaufen…, also die Bretter wieder ausbauen und nochmals tunken. Gott sei Dank war nicht klar, welche der drei definierten Startlinien eigentlich vorgesehen war, und so fand sich ein Großteil des Feldes davor. Daraufhin verschob die Wettfahrtleitung „Blondl“ den Start um 10 Minuten. Bis dahin hatten auch wir es geschafft, das Boot leer zu bekommen und hinter der richtigen Linie zu sein. In der letzten halben Minute vor der Linie zu sein (und nicht zurückfahren) hätte übrigens eine Straf-Stunde gekostet…

Gleich nach dem Startschuss wurden Spi, Gennaker und Co gesetzt und mit halben Wind ging es südwärts, allerdings nicht allzu lange. Schon bald mussten die bunten Tücher wieder eingepackt werden und wir fanden uns auf der Kreuz mit mäßigem Südwind wieder. So eine richtige Taktik hatte ich nicht, wurden mir am Vorabend doch sowohl das West- als auch das Ostufer bei dieser Wetterlage empfohlen. Die „richtige Seite“ war zunächst aber doch von den großen Booten abhängig, wollten wir nicht minutenlang in irgendwelchen Abdeckungen verweilen. Danach hielt ich mich eher an den Kompass und folgte dem direkten Weg nach Süden. Die wirklich schnellen Schiffe waren mittlerweile mit Abstand weg, an die vor mir liegenden O-Jollen (als Vergleichsboote) konnte ich mich heranarbeiten und das ein und andere Boot auch überholen. Nach zwei Stunden war ich immer noch mit einem Drachen, einem Trimaran und weiteren Dickschiffen gleichauf – ein wenig Genugtuung. Nach 2½ Stunden, in Höhe Steinbach am Attersee, war endlich die Tonne bei Burgau in Sicht, aber bis dahin war es noch eine gute Stunde zu segeln, da mittlerweile fast Flaute herrschte. Den Drachen und einen weiteren Solchen hatte ich mittlerweile überholt und abgehängt ;-)

Nach schier endloser Zeit habe wir die Tonne dann doch noch runden können, mit ein wenig Abstand zu uns hatte mittlerweile auch AUT 11 ein wenig aufgeschlossen. Wir befürchteten nun, wieder bis Steinbach nur treiben zu müssen, ich hielt mich aber mehr in der Mitte, um den direkten Weg zu treiben, und die Boote rechts lagen hoffnungslos in der Flaute. Tatsächlich sprang dann ein Wind aus Süd mit Westschralern an und unter Spi ging es Richtung Kammer. Der Wind frischte sogar ein wenig auf, zwei Mal fast im Gleiten, und so ging es recht flott bis Weyregg, am rechten Ufer konnten wir so an einem Scherenkreuzer und einer Sunbean 26.1 (oder war es eine 28.1?) mit schier unendlich großen Spinnakern vorbeisegeln. Die Boote hinter uns haben wir aus den Augen verloren und wir hatten wieder zu den O-Jollen aufgeschlossen, die ich zuvor bei Burgau in der Flaute verloren habe.

Bei Weyregg aber war der Wind wieder zu Ende, waren wir doch genau im Bereich zwischen zwei Wetterfronten. Ohne Druck im Segel, aber mit einer merklichen Welle von Süden bewegten wir uns fast unmerklich Richtung Kammer. Nach mehreren Halsen war endlich wieder ein wenig Druck im Segel zu spüren. Die Sunbean 2x.1 zwang mich ein wenig höher zu segeln als ich es beabsichtigte, aber in Luv wollte ich sie auf keinen Fall vorbei lassen, denn das hätte wohl 15 bis 20 Minuten Windstille bedeutet. Bei dieser Gelegenheit konnten wir auch unseren Clubkollegen Horst auf seiner O-Jolle AUT 81 passieren.

Eine unerwartet starke Böe (die Wetterfront im Norden) verlangte rasches Handeln, und da es bis zur Tonne nicht mehr allzu weit war, entschieden wir den Spi zu bergen. Zum Einen war nicht klar, was diese Front noch bringen könnte, zum anderen wollte ich mit dem Holzboot auf keinen Fall „kübeln“ gehen, denn dann wäre diese Wettfahrt mit einem DNF beendet gewesen. Kaum die Tonne umrundet ging es im Starkwindtrimm (Baumniederholer dicht, beide hängend, Traveller bedienen, …) weiter auf die Kreuz Richtung UYCAs. Analog den Booten vor mir wollte ich entlang des Westufers segeln, sodass es mit einem Holeschlag dorthin ging, danach folgte ein langer Backboardschlag mit schöner Banane beim SCK vorbei Richtung Attersee. Leider schlief der Wind abermals ein, und so hieß es wieder in der Flaute dahin schippern. Dennoch schafften wir es, auf den letzten paar Metern noch zwei Dickschiffe zu überholen, bis wir dann endlich nach 7 Std. 44 Min. und 11 Sek. die Ziellinie passierten.

Auch wenn diese Wettfahrt mit dem normalen Regattasegeln, wie wir es von unseren Pirat-Regatten her kennen, nicht vergleichbar ist, so war es ein tolles Erlebnis mit emotionalen und körperlichen Höhen und Tiefen. Geplant war, das Ganze doch eher gemütlich anzugehen, letztendlich ist man aber doch in einer Wettfahrt und lange konzentriert, was durchaus anstrengend ist. Im Gesamtergebnis haben 35. Platz bei 86 Startern ersegelt.